Macht

Vorspann „Steuerungsenergie“

Für Leser, die das Buch „Kopf und Bauch: Ein Team!“ noch nicht kennen: Im Gehirn ist – aus neuer Sicht – Steuerungsenergie, auch seelische Energie genannt. Man kann sich diese wie die Ladung in einem Handy-Akku vorstellen: Wenn ich telefoniere oder im Internet surfe, wird das den Akku entladen. Genauso verhält es sich mit der Steuerungsenergie im Gehirn: Jeder Denkvorgang kostet Energie, dies umso mehr, je stärker man sich konzentrieren muss. Wie aber soll ich den Akku wieder aufladen? Da ist kein Ladegerät, das ich an die Steckdose anschließen könnte.

Es sind empfundene Erfolge, die den Akku wieder aufladen, Befriedigung von Bedürfnissen, Genüsse aller Art, sinnhafte Tätigkeiten, bewältigte Herausforderungen, angemessene Bewegung, erfüllende Kontakte mit Freunden, Männern und Frauen, für Andere da sein, ohne sich selbst dabei aufzugeben, die Liste ist unendlich lang.

Fehlinvestitionen von Steuerungsenergie, Misserfolge, auf Dauer trotz viel Aufwand unerfüllte Wünsche oder verlorene Liebesmüh‘ zehren den seelischen Akku aus. Je weniger Ladung dieser noch hat, desto mehr ist das Gehirn gezwungen, den Verbrauch an dieser wertvollen Steuerungsenergie einzuschränken:

Ohne sich dessen bewusst zu sein, greift ein kindliches Denken mit Scheuklappen und vereinfachenden Ideologien um sich. Im starken Mangel geht es schließlich nur noch darum, selbst unter Risiko und mit unsozialem Verhalten an Erfolge und damit an Steuerungsenergie zu kommen. Denn, koste es was es wolle, der bereits tief entladene seelische Akku muss so schnell wie möglich wieder aufgeladen werden.

Denn bei völliger Entladung droht die Depression. Dann geht gar nichts mehr.

  • Eine der effizientesten Möglichkeiten, die unsere Software einsetzt um sich schnell, einfach und auch noch kontinuierlich Steuerungsenergie zu beschaffen, besteht darin, seinen Träger in eine Machtposition zu bringen.

Der Machthaber steuert die von ihm Bemächtigten so, dass diese nicht mehr in erster Linie seelische Energie für sich selbst, sondern für ihn, den Machthaber erarbeiten.

Warum muss Macht immer ausgedehnt werden?

Der erste Grund: Macht wirkt wie eine Droge. Mit überschaubarem Aufwand erzeugt die Droge das Gefühl einer Belohnung, indem es die Belohnungszentren im Gehirn auf chemischem Wege direkt aktiviert. Eine Belohnung, die nicht durch eigene reale Erfolge verdient ist.

Nicht viel anders ist es mit der Macht. Auch dort muss der Machthaber für seine seelische Energie nicht selbst sorgen, sondern lässt sich den größten Teil davon durch seine Untergebenen erarbeiten.

Der aber nicht zu unterschätzende Aufwand, den er vorher zu bringen hat ist der, sich gegen viele Konkurrenten eine Machtposition zu erobern und diese gegen jeden Angriff zu verteidigen und auszubauen.

Besonders jede Art von nicht durch eigene Leistung und Erfolge selbst verdienter Belohnung verliert durch Gewöhnung recht schnell ihre wohltuende Wirkung, so dass schon aus diesem Grund die Dosis immer weiter erhöht und damit das Maß gefühlter Macht immer weiter ausgedehnt werden muss.

Wer einmal die Süße der Macht verspürt hat, durch ein einziges Wort oder nur eine einfache Geste Andere dazu bringen zu können, ihre Steuerungsenergie nicht im eigenen, sondern im Sinn des Machthabers einzusetzen, kennt die überragende und seelisch besondere Belohnung, die einer Machtposition innewohnt.

Der wichtigste Grund aber, seine Macht zwangsläufig ausdehnen zu müssen liegt im Wesen der Macht selbst begründet. Es muss ein schlimmer Gedanke sein, sich bewusst zu werden, dass man von denen abhängig ist, die die seelische Energie für einen erarbeiten. Bei Verlust seiner Machtposition würde der Machthaber im gleichen Augenblick von seinem hohen Podest tief ins Nichts hinunterfallen.

Aber nicht nur das. Sollte der Machthaber seine Macht durch unmenschliches, übergriffiges oder gar kriminelles Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen oder Untertanen missbraucht haben, muss er zusätzlich befürchten, der Rache der Unterdrückten anheim zu fallen.

Es gibt daher eine gewisse Grenze für das Verhalten eines Machthabers gegenüber seinen Untertanen: Solange er diesen weniger seelische Energie abschöpft, als diese bereit sind, ihm zu überlassen, könnte die Situation – zumindest für einige Zeit – einigermaßen stabil bleiben.

Denn auch Untertanen ändern und entwickeln sich. Selbst durch Machthaber stark dominierte Gesellschaften nützen ihre verbliebenen Freiheitsgrade und sind einer dauernden Wandlung unterworfen.

Dauernd im Fluss und trotzdem stabil gilt daher für kontrollierte Machtpositionen, bei denen Machthaber und Volk lückenlos zusammenarbeiten, auftretende Probleme zusammen lösen und zukünftige Entwicklungen rechtzeitig in ihre Überlegungen einbeziehen.

  • Einer Machtposition muss gleichwertige Verantwortung gegenüberstehen.

In dieser Aufgabenteilung ziehen alle am gleichen Strang. Verweigert sich eine Regierung jedoch dieser Verantwortung und hält sich noch nicht einmal an die Gesetze, in deren Rahmen sie arbeiten soll, entfernt sie sich von dieser optimalen Arbeitsweise.

Um seine Machtposition zumindest zu erhalten, müssen dann aufmüpfige Strömungen bis hin zu revolutionären Umtrieben der Untertanen in Schranken gehalten werden. Auch hier gibt es Schwellen, deren Überschreiten die Situation kritisch werden lässt.

Sobald Kritik oder Aufbegehren nicht mit eigener Anpassung des Machthabers an sich wandelnde Verhältnisse begegnet, sondern die herrschende Art zu regieren mit Gewalt, vor allem mit blutiger Gewalt durchgesetzt wird, beginnt für den Machthaber eine Spirale der zwangsläufigen Machtausdehnung.

Je stärkere Mechanismen der Unterdrückung er zum Einsatz bringt, sprich, seine Macht ausdehnt, desto größer wächst seine Angst vor Entmachtung und möglicher Rache. Die Bilanz seiner seelischen Einkünfte wendet sich ab da ins Negative:

  • Die Ängste vor Entmachtung übersteigen schließlich die Einkünfte aus seiner Machtposition. Trotz seiner Macht lebt der Machthaber in wachsender Angst.

Diese Ängste in Grenzen zu halten lenkt das Hauptinteresse solcher Machthaber einzig und allein dahin, seine Macht möglichst durch lebenslange Herrschaftsgarantie wenigstens formell abzusichern. Aber kann man sich auf Vereinbarungen auf alle Zeit verlassen? Am Ende fließen alle Ressourcen in die Machterhaltung, seine Untertanen werden immer weiter eingeschnürt und ihr Rachepotential wächst entsprechend an.

Auch in Demokratien ohne formelle, allein bestimmende Machthaber ist solches zu beobachten: An die Macht zu kommen und an der Macht zu bleiben ist allererstes Interesse und ein aufwendiges Geschäft. Dafür werden auch wichtigste Inhalte geopfert. Mehrheiten statt Fakten. Die Beschaffung von Mehrheiten steht über jeder sachlichen Diskussion. Ohne Mehrheiten keine Bewegung. Für Machtkämpfe sind Politiker charakterlich bestens optimiert und nur solche, die im Kampf um die Macht begabt und durch viele mit profitierende Unterstützer erfolgreich sind, werden die Spitze der Machtpyramide erreichen.

Doch wo bleibt die Fähigkeit, tragfähige Konzepte zu erstellen, nicht nur wahltaktisch in Mehrheiten und von heute auf morgen zu denken, sondern zukunftssichere Pläne zu entwickeln? Woher übergreifendes und langfristiges Denken nehmen? Das war nie gefragt, das hat keiner gelernt.

Statt Staatsinteressen in den Vordergrund zu stellen, setzt sich ein so altbekannter wie verhängnisvoller Mechanismus in Gang: Nicht seinem Volk zu dienen und für dieses vorteilhafte und realistische Vorstellungen langfristiger Art zu entwickeln, steht im Vordergrund, es ist das Diktat der Machterhaltung, indem die herrschende Klientel eher versucht, „ihr Volk“ im Sinne eigener Machterhaltung zu erziehen und kritische Gegenströmungen oder gar längerfristig angelegte Gedanken zu umgehen, zu unterdrücken oder wenigstens auszusitzen.

Wildwuchs und Missbrauch angeblicher „Political Correctness“ wie auch geduldet oder gewollt einseitige Berichterstattung oder die allfällige Missachtung von Gesetzen mag als Beispiel dienen.

  • Der Preis der Macht ist die Angst vor deren Verlust.
    Ideologie hat Vorrang: Gesetze, Regeln und realistische Inhalte bleiben auf der Strecke.

Der tägliche Kampf um die Machterhaltung, besonders gegen Konkurrenten, bedeutet Stress und Stress heißt Rückentwicklung. So wirken zwei Komponenten in ungünstigster Weise zusammen: Ein politisches Auswahlsystem, das nach Erkämpfen von Machtpositionen optimiert und Mächtige, die unter Dauerstress weder zur Übersicht noch zu langfristigem Denken fähig sind:

  • Ein nicht auflösbares Dilemma.

Wie auch immer wäre ein Machthaber gut beraten, Gesetze zu achten, zumindest gewisse Grenzen einzuhalten und seine Macht nicht über die Maßen zu missbrauchen, indem er aus Eigeninteresse an seinen Untergebenen vorbeiregiert und sie durch falsche Rahmenbedingungen zu sehr in ihren eigenen Bemühungen um seelische Energie einschränkt.

Eine gewisse Stabilität kann nur eine Konstellation aufweisen, in der die Gewinnung seelischer Energie zwischen einem „guten“ Machthaber und Untergebenen, die ihm Vertrauen entgegenbringen, einigermaßen ausgeglichen ist.

Dies bedeutet Aufgabenteilung: Regierung und Regierte arbeiten zum Erreichen eines gemeinsamen vorteilhaften Ziels bestmöglich zusammen. Leider ist meist keiner da, der in der Lage wäre, solche Ziele zu erdenken, geschweige denn zu formulieren und in die Tat umzusetzen.

Warum gibt es überhaupt „Untergebene“?

Erstaunlich ist es, dass Machthaber, selbst wenn sie offensichtlich eine Diktatur anstreben und Andersdenkende unterdrücken, über einen erheblichen Rückhalt in der Bevölkerung verfügen. Viele von ihnen sind ja vom Volke gewählt und werden sogar als Vorbild verherrlicht, selbst wenn nachweislich viel zu viele Opfer ihren Weg säumen.

Warum brauchen so viele Menschen eine klare Herrschaftsstruktur zwischen denen da oben und ihnen selbst da unten? Historisch betrachtet besteht die geistige Entwicklung des Menschen in der sich immer weiter entwickelnden Fähigkeit zu übergeordnetem und langfristigem Denken, Selbstverantwortung, Kooperation und ausgewogenem sozialen Denken und Handeln. Soziale Ausgewogenheit bedeutet großzügig Hilfe zur Selbsthilfe zu gewähren, aber ohne sich unter Druck setzen und ausnützen zu lassen.

Weg von irgendwelchen schicksalhaft alles bestimmenden Göttern hin zu eigenem Denken, Selbstbestimmung und einer Sichtweise, dass alle Menschen eine friedliche Zusammenarbeit unter Beachtung ihrer naturgegebenen Bedürfnisse und Prioritäten, aber auch der verfügbaren Ressourcen betreiben sollten.

Die Fähigkeit zur Selbstverantwortung findet sich jedoch sehr unterschiedlich verteilt. Zudem spielen die Rahmenbedingungen aus Herkunft, Familie und Bildung eine entscheidende Rolle. Treten dazu noch ungünstige Lebensbedingungen mit dauernder Überforderung und Stress, führt dies zur Rückentwicklung: Im seelischen Energiemangel lassen sich Übersicht, das Setzen der richtigen Prioritäten und längerfristig planende Gedanken nicht mehr realisieren.

Vielen macht unter solchen inneren und äußeren Bedingungen die Forderung nach Selbstverantwortung nichts als Angst. Denn sie stellt eine Überforderung dar. Es ist doch viel angenehmer und bequemer, irgendwelchen Vorschriften ohne eigenen Entscheidungsaufwand folgen zu können als selbst denken zu müssen.

  • Denn Entscheidungen erfordern einen leistungsfähigen Geist und sind höchst energiezehrend.

Nicht jeder verfügt zu jeder Zeit über die Fähigkeit, sich ein eigenes Bild von der Wirklichkeit zu machen und zu selbstverantwortlichem Handeln zu finden.

Bequem ist auch das gefühlte geringe Risiko: Denkt man selbst, könnte man sich auch einmal irren und müsste dazu stehen und die Verantwortung für die Folgen übernehmen. Wenn man Vorschriften einer weltlichen oder religiösen Obrigkeit gewissenhaft befolgt, ist das bequem und es wird einem bestimmt nichts passieren.

  • Zu viel eingeforderte Selbstverantwortung macht den Menschen Angst.

Sie brauchen Orientierung durch eine höhere Instanz, die sagt, was zu tun und zu lassen sei. Das wollen sie nicht selbst erdenken und entscheiden müssen, schon gar nicht wenn sie dazu gar nicht willens oder fähig sind.

Ideologien dienen der Machterhaltung

Ein sicherlich nicht kleiner Prozentsatz von Menschen kommt mit den vielen Variablen eines freiheitlichen Systems nicht zurecht. Es ist ihnen zu kompliziert, zu komplex. Im Stress vermindert sich die geistige Flughöhe noch weiter. Es reicht einfach nicht mehr sich Überblick zu verschaffen und langfristige Folgen in Betracht zu ziehen.

  • Machthaber greifen daher systematisch zu Ideologien, um die Zahl der zu berücksichtigenden Variablen zu reduzieren und sich haltgebende Festpunkte für ihre eigene reduzierte Gehirnleistung und die ihrer Untertanen zu verschaffen.

Es geht darum, eine zu komplex empfundene und damit überfordernde Realität so lange und so weit zu vereinfachen, bis die eingeschränkte Software ihre Aufgaben wieder bewältigen kann.

Dass die Realität dabei stark leidet wenn nicht gar völlig verfälscht wird, nimmt die Software billigend in Kauf:

  • Lieber ein falsches Ergebnis als der totale Absturz.

Religiös begründete Ideologien gehen noch viel weiter, indem der Machthaber eine meist nur ihm selbst dienende Ideologie von Anfang an gezielt als Machtinstrument einsetzt. Die oft willkürlichen Festsetzungen von charismatischen oder gewalttätigen Propheten oder Herrschern werden von vornherein als angeblich unveränderliche Wahrheit definiert und festgeschrieben.

Die Machtposition wird durch die Ideologie geschützt und möglichst für immer gefestigt. Daher darf deren tatsächlicher Wahrheitsgehalt oder Legitimation unter Todesdrohung noch nicht einmal hinterfragt werden.

Der Griff zur Ideologie als willkürliche Festsetzung fern der „zu komplexen“ Realität ist direkte Folge eines an Denk-Energie verarmten, insofern unfähigen Gehirns. Dessen Software hält sich krampfhaft an der Vereinfachung fest. Zu mehr ist sie nicht fähig.

Sattdessen konzentriert die ideologisch beschränkte Software ihre Restfähigkeiten darauf, sich irgend welche, auch noch so krude Ausreden zu erdenken, um Fehlverhalten und Misserfolge zu kaschieren und die eigene Geistesschwäche nicht offenbar werden zu lassen.

Kritiker werden mundtot gemacht, dem Unkundigen oder blind Vertrauenden eine verfälschte Realität weisgemacht, die das sträfliche eigene Fehlverhalten relativieren oder sogar in einem positiven Licht erscheinen lassen.

Daher ist es aussichtslos zu versuchen, eine Ideologie durch noch so sachkundige Argumente infrage zu stellen. Die Überforderung ruft beim Ideologen Ängste solcher Stärke hervor, dass es ihm nicht möglich ist, auch nur einen Deut von der einmal gewählten – auch noch so falschen – Ideologie abzuweichen. Er würde Orientierung, Halt und Macht zugleich verlieren und ins Nichts fallen.

Was kann man tun?

Kann jemand im bestehenden System – warum auch immer – kein genügendes Maß an seelischer Energie erwirtschaften, hat die in Energiemangel geratene Software zwei Möglichkeiten: Entweder sie setzt ihre Kräfte dafür ein, sich durch eigene Weiterentwicklung besser an die Verhältnisse anzupassen (mit dem Strom schwimmen und sich weiterentwickeln) oder sie greift zu einem weiteren, diesmal destruktiven Werkzeug aus ihrem Werkzeugkasten:

Ohne sich unbedingt dessen bewusst zu sein, wird der seelisch in Mangel Geratene ein noch so freiheitliches System bekämpfen (gegen den Strom schwimmen) indem der Defizitäre versucht, es durch schädigende Verhaltensweisen zu destabilisieren und langfristig zu zerstören nach dem Motto: „Macht kaputt, was euch kaputt macht“.

Eine solch zerstörerische Haltung entwickelt sich tief aus dem Bauch heraus und wird dem Betroffenen nicht bewusst. Dies alles von der trügerischen Hoffnung getragen, in einem anderen, selbst restriktiveren Herrschaftssystem besser zurecht zu kommen wenn nicht gar selbst zu den Mächtigen oder zumindest zu deren Kaste zu gehören.

Das freiheitliche System der Demokratie ist generell in der Gefahr, durch Menschen, denen Selbstverantwortung und Verteidigung ihrer Werte eher fremd oder zumindest unbequem ist, unterhöhlt zu werden. Sie orientieren sich lieber an weltlichen oder religiösen Machthabern und fühlen sich trotz aller Vorschriften und Einschränkungen in deren „Schutz“ wohl.

Aber auch Fehlentwicklungen von „oben“ drohen freiheitliche Systeme zu Fall zu bringen, indem sie Gefahr laufen, sich nach und nach in „Quasi-Diktaturen“ zu verwandeln, deren Träger sich mehr der eigenen Machterhaltung als ihrem Auftrag verpflichtet fühlen, das Beste für ihr Volk zu tun.

Diese Entwicklung kann sich über längere Zeit weithin unterhalb der Wahrnehmungsschwelle abspielen und sich weiter verstärken wenn Kontrollsysteme wie Justiz und Medien einer ähnlichen politisch gespeisten Strömung unterliegen und damit ihre demokratischen Pflichten verfehlen oder sogar schwer verletzen.

Erst wenn das System in eine Krise gerät, wird das ganze Ausmaß von Machtspielen und Inkompetenz auf einen Schlag sichtbar. Aber dann ist der Schaden bereits angerichtet.

Höhere Instanz

Die „höhere Instanz“ kann eine machtvolle, charismatische oder zumindest herausgehobene Einzelperson beliebiger Art sein, der Repräsentant eines weltlichen, religiösen, kapitalistischen oder totalitären Systems, einer Sekte, eines Netzwerks oder was auch immer.

Wichtig ist nur, dass der nach Halt Suchende genügend Vertrauen entwickelt um sich seiner Führungsinstanz unterzuordnen und dessen Regeln ohne nachzudenken oder nachzufragen zu folgen. Für die geistige Entwicklung ein gewaltiger Rückschritt.

Auch für fähige Menschen ist es nicht leicht, ihre Selbstverantwortung aufrecht zu erhalten, muss doch jeder Schritt menschlicher Weiterentwicklung jeden Tag mühsam erkämpft, verteidigt und weitergeführt werden.

Solch hohes Engagement ist nur mit einem hohen Pegel an Steuerungsenergie möglich. Ein allgemein absinkender seelischer Pegel in der Gesellschaft hat zur Folge, dass sich das System aufweicht indem es seine eigenen Regeln nicht mehr befolgt und immer mehr den Zusammenhalt vermissen lässt.

Das herrschende System, das auf weiteren Bestand bedacht ist, darf nicht in den Fehler verfallen zu meinen, mit der wirtschaftlichen Existenz oder einem „Wohlstand für alle“ sei es getan. Eine gefühlt sichere Existenz mag zwar eine Grundbedingung sein.

  • Entscheidend ist aber eine genügende Versorgung mit seelischer Energie.

Ist dies nicht gewährleistet, ist die dünne Eierschale der sozialen Seite des Menschen schnell zerschlagen. Gewaltbereite Parallelgesellschaften auch in unserer Demokratie zeigen es deutlich: Einmal an die Macht gekommen, ist ein Rückfall in archaische Gewaltherrschaften einfach, höchst effizient und auf lange Zeit stabil.

  • Die Physik lehrt, dass alle Systeme ohne Zufuhr von Energie von sich aus ein möglichst niedriges Energieniveau anstreben.

Nur unter dauernd zu erbringendem Aufwand erscheint es möglich, auf einem höheren Niveau möglichst freier Entscheidungsfähigkeit zu bleiben und dieses gegen destabilisierende Strömungen zu verteidigen.

Dies zeigt sich offensichtlich im Verhalten des Menschen: Eine Herrschaft mit klarer Grenze zwischen wenigen da oben, die Macht ausüben und vielen da unten, die sich gerne oder weniger gern unterordnen, dürfte die elementarste und stabilste Grundkonstellation darstellen.

Fazit:

Macht „von oben“ auszuüben, ist für die Software die mit Abstand schnellste und effizienteste Quelle seelischer Energie. Wie eine Droge. Kein Wunder, dass Macht suchtartiges Verhalten auslöst, gegen das niemand gefeit ist.

Machtausübung „von unten“

Wenn der seelische Pegel über die gewohnten Schwankungen hinaus absinkt, kann sich der Mensch in gewissen, sehr unterschiedlichen Grenzen, man könnte dies „Zone der Resilienz“ nennen, wieder durch Erfolge aus eigener Kraft Richtung Ausgeglichenheit zurückarbeiten.

Beim Absinken des seelischen Pegels unter diese Resilienz-Zone versagt diese Regelung und unsere Software überlässt im Auftrag der Natur den Menschen mehr oder weniger seinem Schicksal.

  • Um diesen systematischen Schwachpunkt der Software zu entschärfen und den Abgleitenden seelisch aufzufangen ist der Mensch von Natur aus als sehr soziales Wesen konzipiert.

Gerät ein Anderer in Gefahr oder kann sich seelisch nicht mehr selbst ernähren, setzen bei den Mitmenschen starke Impulse ihrer Software ein, Hilfe zu leisten, Unterstützung zu gewähren, für den bedürftig Gewordenen da zu sein, selbst wenn es den Helfer selbst stark belasten sollte.

Unterstützung und gefühlte Sicherheit heben den seelischen Pegel des Hilfebedürftigen und bieten ihm günstige Bedingungen, wieder in seine Resilienz-Zone zurück zu kommen und dann aus eigener Kraft seinen seelischen Pegel wieder in normaler Schwankungsbreite halten zu können.

Doch kann leicht der Fall eintreten, dass der seelisch Bedürftige die Hilfe seiner Mitmenschen nicht dazu verwendet, sich selbst wieder aufzurüsten und tätig zu werden, sondern sich in den Hilfeleistungen „einrichtet“ und sie schließlich als Dauerversorgung beansprucht. Er bemüht sich nicht mehr nach Kräften um eigene seelische Versorgung, er missbraucht vielmehr die soziale Ader seiner Mitmenschen indem er diesen auf Dauer seelische Energie abfordert und sie ausnützt.

  • Dies ist Machtausübung „von unten“.

Dem steht wiederum die Macht „von oben“ entgegen: Unterstützung zu gewähren weist auch Merkmale einer Machtposition auf. Der Unterstützer – solange er sich dies leisten kann ohne selbst in ein seelisches Defizit zu geraten – hat die Macht, seine Unterstützung jederzeit nach Gutdünken zu gestalten, zu kürzen oder auch ganz einzustellen.

Dies wiederum macht dem Nehmer Angst und er wird versuchen, sich der Unterstützung auf Dauer zu versichern indem er dem Geber ein schlechtes Gewissen macht. Schließlich läuft alles auf die Bemühung um ein Machtgleichgewicht hinaus.

Ein solches Machtgleichgewicht aufrecht zu erhalten, kostet viel Energie und zeitigt auf beiden Seiten schwerwiegende Nachteile: Auf Dauer über die Maßen gefordert erleidet der Unterstützer einen belastenden Aderlass an seelischer Energie, den er anderweitig wieder zu erarbeiten hat.

Der Unterstützte wiederum bemüht sich nicht darum, sich selbst zu tragen, lässt sich alimentieren und entwickelt sich zurück. Er leidet unter wachsenden Ängsten oder zumindest einem unguten Gefühl der Abhängigkeit. So geht beiden dauerhaft Energie verloren. Eine verhängnisvolle Abwärtsspirale in der Entwicklung beider Seiten.

  • Wirklich sinnvoll und für beide Seiten nachhaltig aufbauend ist nur Hilfe zur Selbsthilfe.

Fazit:

Machtpositionen ziehen vor allem Menschen an, die ihren seelischen Haushalt nicht aus eigener Kraft erarbeiten sondern durch Machtausüben über Andere bestreiten. Ein Mechanismus, der Unfähigkeit in der Sache begünstigt. Ganz abgesehen von den oft katastrophalen Folgen aus dem suchtartigen Drang von Machtmenschen, ihre Macht immer weiter und sei es auch auf Kosten Anderer, der Allgemeinheit und der Zukunft möglichst unbegrenzt auszudehnen.

Macht muss unter allen Umständen den Rahmen bestehender Gesetze einhalten, durch weitere unabhängige und gleichermaßen machtvolle Instanzen kontrolliert und bei Missbrauch wirksam sanktioniert werden.

Ein Optimum wäre es, wenn Machthaber und Untergebene im Sinne gemeinsamer Ziele lückenlos zusammenarbeiten würden.

Leider scheint es dem Menschen (immer noch Version 1.0) unendlich schwer zu fallen, solche Ziele zu erdenken, ganz abgesehen davon, die notwendigen Maßnahmen zu erarbeiten und konsequent in die Praxis umzusetzen.

2018-06-14T21:23:52+00:00 Juni 14th, 2018|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.